1/2005
Sportlicher Lebenslauf
oder: Auf Umwegen zu 8 Metern im Weitsprung
Der folgende Text enthält meinen sportlichen Werdegang. Ich habe die folgenden Zeilen einmal hier niedergeschrieben, um anderen meinen doch eher ungewöhnlichen Weg zum ersten 8-Meter-Sprung einmal näher zu bringen. Es ist ein Text für alle diejenigen, die sich fragen, warum der auf einmal so weit springt, für diejenigen, die glauben, dass diese Leistungssteigerung in meinem Alter nicht legal möglich ist, und für diejenigen, die bisher noch nie besonders erfolgreich waren oder nach eins, zwei, drei oder auch vier schlechten Jahren ohne Fortschritt eine Motivation brauchen, weiterzumachen und an sich zu glauben.
| Als ich auf die Welt kam, hatte ich eine Hüftgelenksverrenkung, eine Skoliose und als Baby überhaupt keine Muskelspannung. Ich hing immer schlaff bei meiner Mutter auf dem Arm. Als ich ein halbes Jahr alt war, sagte man ihr, dass ich in der Schule mit Sicherheit nie am normalen Sportunterricht würde teilnehmen können. |
Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Ich begann mit der Leichathletik im Jahr 1987 im Alter von zehn Jahren. Ein Freund von mir nahm mich damals mit zum Training des BSV Buxtehude. Dieser hörte jedoch nach drei Wochen wieder auf, na ja, und ich bin halt heute immer noch dabei. Die Leichtathletikabteilung des Vereins war in der ganzen Stadt bekannt und eigentlich war jeder Jugendliche in Buxtehude mindestens ein paar Mal beim Training von Reinhard Naugk, dem Schülertrainer im Verein.
Während meiner Schülerzeit war ich nicht sonderlich erfolgreich. Ich war sicherlich nicht untalentiert, aber es gab immer mehrere Mitstreiter, die sich vor mir platziert haben. Mit 12 Jahren hatte ich beispielsweise im Weitsprung bei den Hamburger Meisterschaften eine neue persönliche Bestleistung erzielt. Diese reichte jedoch nur zu Platz 10, so dass ich mich nicht für den Endkampf qualifizieren konnte. Mit 15 wurde ich ebenfalls mit persönlicher Bestleistung von 5,89m Fünfter. Für den Sieg wären jedoch 6,47m notwendig gewesen. Landesmeistertitel habe ich damals nur mit der Mannschaft oder in der Staffel gewinnen können, für die ich mich zumindest jedes zweite Jahr als vierter Mann empfehlen konnte. Mit dieser Staffel haben wir (Henning Schledz, Ulrich Krantz, Danny Lünsmann und ich) vor allem wegen unserer guten Wechsel, die in jedem Training zum Abschluss geübt wurden, in Hamburg und Umgebung alles in Grund und Boden gerannt und Landesrekorde aufgestellt, die noch heute bestehen.
1993 / 1994:
Dann kam ich in die B-Jugend. Ich hatte inzwischen begonnen, neben der Leichtathletik auch Basketball zu spielen. Meine Motivation für die Leichtathletik war zu dieser Zeit nicht sehr groß. Viele meiner Trainingskollegen hatten aufgehört und auch ich trieb mich lieber in der Basketballhalle herum als auf dem Sportplatz.
Allerdings wurden die Leistungen allmählich besser, so dass ich mit 17 Jahren meinen ersten Landesmeistertitel erringen konnte. Das war bei den Hallenmeisterschaften im Hochsprung. In der folgenden Freiluftsaison gewann ich dann den Hürdenlauf, den Hochsprung, den Stabhochsprung und den Weitsprung, was allerdings bei der Konkurrenz bei Hamburger Meisterschaften kein großes Kunststück war. Doch hatte ich es geschafft mich erstmals für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Im Hürdenlauf lag ich 9 Hundertstel und im Weitsprung 8 cm über der Norm. Auch im Zehnkampf konnte ich die Norm auf den Punkt genau erfüllen. Grund für die Leistungssteigerung war ein neuer Mehrkampf-Landestrainer, Hinrich Brockmann, der mich seitdem mehr und mehr trainiert hat. Durch ihn habe ich viele sehr gute Athleten kennen gelernt, die mich stark motiviert haben, mich weiter zu verbessern. Wenn ein 14-jähriger höher im Stabhochsprung springt als man selbst, sollte das genug Anreiz sein. Bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften wurde ich 22.. Mein gleichaltriger Trainingskollege machte 1.000 Punkte mehr und wurde Dritter. Ich werde es nie vergessen, wie ich bei der Siegerehrung zugeschaut habe und die dort Geehrten beneidet habe.1995:
In meinem Basketballverein gab es eine Wette, nämlich, dass jeder, der 9 Dunks in Folge schafft, bevor er 18 wird, 1000 DM bekommt, 3 rückwärts, 3 von links und 3 von rechts. Ich hatte den ganzen Winter über geübt und immer blutige Finger gehabt bis ich es 3 Tage vor meinem 18. Geburtstag schaffte. Das war auch so ziemlich das letzte Mal, dass ich in der Basketballhalle auftauchte. Das viele Sprungkrafttraining, das ich dadurch gemacht hatte, sollte mir jedoch zugute kommen.
Leichtathletik war wieder angesagt und zwar vor allem Zehnkampf. Beim Pfingstsportfest in Scheeßel übertraf ich zum ersten Mal die 7m-Marke und qualifizierte mich damit für die Deutschen Meisterschaften. Ich hatte nicht damit gerechnet, da ich noch zum jüngeren Jahrgang der Jugend A gehörte. Bei den Deutschen war dann zunächst einmal die Qualifikation angesagt. Erster Versuch: ungültig. Zweiter Versuch: Viel zu dicht, 6,25m. 3 Fuß zurück und dann 7,23m. Im Endkampf wurde ich dann mit 7,31m Fünfter und sicherte mir ein Ticket für den U18-Länderkampf. So schnell kann's gehen und ich durfte die Farben Deutschlands vertreten. Ich kam in den C-Kader und erfuhr, dass im nächsten Jahr Junioren-Weltmeisterschaften in Sydney stattfinden, für die man 7,45m springen musste, um sich zu qualifizieren. Dementsprechend motiviert ging ich ins Wintertraining.1996:
Von nun an bin ich im Winter jedes Jahr nach Malente gefahren, um wenigstens einmal in der Woche in einer Halle trainieren zu können und nicht bei Minusgraden draußen. Zusammen mit meinen Trainingskollegen fuhr ich meist für drei Trainingseinheiten quasi jedes Wochenende etwa 1½ Stunden dorthin. Hinrich Brockmann war von nun an auch mein Heimtrainer. Nach einem dritten Platz bei den Deutschen Jugendhallenmeisterschaften schaffte ich im ersten WM-Quali-Wettkampf genau 7,45m. Um den Sprung ins Sydney-Team zu schaffen, musste man die Quali-Weite jedoch zweimal erfüllen, was mir in den folgenden Wettkämpfen leider nicht mehr gelang. Besonders ärgerlich waren meine Gegenwinde bei der letzten Qualifikationsmöglichkeit, den deutschen Jugendmeisterschaften in Erfurt. Im dritten, vierten und fünften Versuch hatte ich Winde von -1,7, -1,5 und -2,2. Ich will nicht sagen, dass ich es ansonsten geschafft hätte, aber so hatte ich, der sowieso immer die langsamste Anlaufgeschwindigkeit von allen hatte, keine Chance. Drum habe ich in der Saison noch einen Zehnkampf absolviert und ehrgeizig weiter trainiert. Im folgenden Jahr standen erstmals U23-Europameisterschaften auf dem Programm. Eine Chance die verpasste JWM-Teilnahme wettzumachen.1997:
Die Schule abgeschlossen habe in diesem Jahr meinen Zivildienst abgeleistet, von dem ich allerdings aufgrund meiner C-Kaderzugehörigkeit größtenteils freigestellt war. Also hatte ich viel Zeit für das Training. Ich war der einzige in meiner Trainingsgruppe, der noch nie Deutscher Meister war und wollte es nun unbedingt im Juniorenbereich in den nächsten drei Jahren einmal schaffen. In diesem Jahr wurde ich Dritter mit neuer Bestleistung von 7,61m und nur 8 cm hinter dem Sieger. Für die U23-EM reichte das natürlich nicht, aber in zwei Jahren fand sie ja wieder statt und da war ich auch noch U23. Zum Ende des Jahres gründeten wir unseren eigenen Verein, die MobilCom Zehnkampf Welle, für den meine Trainingspartner und ich in Zukunft starteten.1998:
Im Winter hatte ich mein Wirtschaftsingenieurwesen-Studium begonnen, welches sich als ziemlich zeitaufwendig erwies. Ich bin von Buxtehude nach Hamburg gezogen, da ich dadurch einige Zeit an Wegen einsparen konnte. Nach einer guten Hallensaison, kam ich im Sommer nicht so richtig in Tritt. Und so wurde es wieder nichts mit dem Deutschen Meistertitel. Mein Trainingszustand war sehr schlecht, was ich mir überhaupt nicht erklären konnte. Ich hatte im Winter gut trainiert, doch jetzt sprach mein Körper überhaupt nicht mehr auf das Training an. Eigentlich hätte ich mir die Reise zu den Juniorenmeisterschaften auch sparen können, aber ich hatte das ganze Jahr für diesen Wettkampf trainiert und wollte mich daher auch stellen. Es kam der 12. Platz heraus (7,09m). Meinen alljährlichen Zehnkampf am Ende der Saison bei den Deutschen Meisterschaften beendete ich mit 800 Punkten unter meiner Bestleistung aus dem Vorjahr. Im Weitsprung standen nur 7,28m zu Buche.1999:
In der Hallensaison 1999 war ich am Tiefpunkt angelangt. Ein einziger Sprung über die 7 Meter-Marke, besser gesagt genau auf die 7 Meter-Marke war die Ausbeute, und das trotz dreiwöchigem Trainingslager in Südafrika im Dezember. Bei den Norddeutschen Meisterschaften beschloss ich nach drei Sprüngen von 6,71m, 6,43m und 6,59m den Wettkampf und dann auch die Hallensaison abzubrechen. Eigentlich habe ich in jedem Jahr einen Siebenkampf bestritten, aber so machte es einfach keinen Sinn mehr. Ich verordnete mir zwei Monate Pause. Ende März, als das Wetter wieder besser wurde, hatte ich wieder genug Motivation anzugreifen. Allerdings auch einigen Trainingsrückstand. Der Traum, einmal deutscher Meister zu werden, war in weite Ferne gerückt. In diesem Jahr schaffte ich noch nicht einmal mehr die Qualifikationsweite für den Wettkampf, den ich gewinnen wollte. "Dann muss ich es halt noch 'mal bei den Männern schaffen", dachte ich mir und lachte im selben Moment über mich selbst, da mir etwa ein Meter fehlte, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn ich nur wüsste, woran es liegt, dass ich in einem so schlechten körperlichen Zustand bin. Als es bergab ging, bin ich immer konsequenter in meiner Lebensweise für den Sport geworden. Es wurde jedoch stets mit noch schlechteren Leistungen quittiert. Mein Ehrgeiz stand bei weitem nicht mehr im Verhältnis zur Leistung.
Ein Heilpraktiker war es, der mich schließlich wieder auf die Beine stellte. Er verschrieb mir ein homöopatisches Mittel und ich merkte innerhalb weniger Wochen, dass mein Körper wieder besser auf das Training ansprach. In Zahlen: Meine Hürdenbestzeit lag bei 14,66s. Inzwischen hatte ich mich auf Zeiten um 15,70s eingependelt. Prompt lief ich wieder unter 15 Sekunden: 14,97s.2000:
Hoch motiviert und einen ganzen Winter wieder gut trainiert, folgte die 2000er-Freiluftsaison. Es ging wieder langsam bergauf. Meine Jahresbestleistung im Weitsprung betrug 7,47m, die allerdings Hoffnungen auf mehr machten.2001:
Wie eigentlich jedes Jahr kam ich verletzungsfrei durch den Winter, doch auch in diesem Jahr konnte ich meinem Ziel, meine inzwischen 4-Jahre alte Bestleistung im Weitsprung zu verbessern, nicht nachkommen. 7,35m bei insgesamt 6 Sprüngen über 7,32m waren die Bilanz am Ende des Jahres und noch nicht einmal die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Sehr unbefriedigend, nachdem es jede Hallen- und Freiluftsaison weiter bergauf gegangen ist. Sicherlich habe ich in dieser Zeit viel in mein Studium investiert. Da ich eine gut funktionierende Lerngruppe hatte und daher im Studium gut voran kam, habe ich auch nie den Sinn gesehen dort kürzer zu treten. Ich würde nicht gleich einen halben Meter weiter springen, nur wenn ich ein Seminar und eine Vorlesung weniger machte. Und bei Weiten unterhalb von 7,50m hat das ohnehin keinen Zweck. Allerdings näherte ich mich langsam aber sicher dem Ende meines Studiums und wie jedes Jahr wünschte ich mir, dass ich noch einmal etwas erfolgreicher sein würde, weil ich glaubte, dass ich bessere Leistungen bringen könnte, wenn ich mich, wie zu meiner Zivildienstzeit auch, voll auf den Leistungssport konzentriere. Dazu musste nur eine Leistung her, die gut genug ist, dass ich diesen Schritt auch wagte.2002:
Dieser Sommer war also die letzte Chance. Wenn ich jetzt nicht weiter springe, werde ich mich wohl nächstes Jahr ins Berufsleben stürzen und die Leichtathletik nur als Hobby weiterbetreiben können. Das wollte ich nicht. Ich hab doch irgendwann mal davon geträumt, 8 Meter zu springen. In mir steckten noch zu viele nicht verwirklichte Ziele, die ich erreichen wollte, nur oft geglaubt habe, nicht mehr erreichen zu können. Die Hallensaison verlief wie immer. Sechster Platz bei den Deutschen Hallenmeisterschaften und Weiten um 7,40m herum. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Im April war ich schwer krank und konnte 2 Wochen lang überhaupt nicht trainieren, da ich fast 40° Fieber hatte. So fuhr ich ins Trainingslager und von da an ging es steil bergauf. Ich hatte meine letzte Prüfung für das Studium hinter mir und konnte mich von nun an wieder ausreichend auf den Sport konzentrieren, da nur noch die Diplomarbeit anstand. Nach zwei Wettkämpfen aus dem Training heraus, sprang ich in Scheeßel prompt die Quali-Weite für die Deutschen Meisterschaften (7m51) und freute mich sehr darüber, mal wieder an den Freiluftmeisterschaften teilnehmen zu dürfen. Es folgten 7,58m in Garbsen. Ich wollte unbedingt in Bad Langensalza springen, nur war das nahezu unmöglich, da dort nur 8 Springer an den Start gehen dürfen und es in diesem Jahr auch kein B-Springen gab. Aufgrund vieler Absagen bekam ich dann 2 Tage vorher Bescheid, dass ich starten könnte. Das war die Wende. Mit 7,69m im zweiten und 7,82m im sechsten Versuch konnte ich meine jetzt fast fünf Jahre alte Bestleistung deutlich verbessern. Auf einmal waren die 8 Meter wieder deutlich näher gerückt. Es folgte ein vierter Platz bei der DM und noch ein 7,84m-Sprung im letzten Versuch des Jahres bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften. Ich hatte das geschafft, was ich mir zu Beginn des Jahres erhofft hatte. Meine Diplomarbeit absolvierte ich dann theoretisch in Form eines Literaturstudiums. Daher konnte ich mir die Zeit, in der ich die Arbeit schrieb, selber einteilen. Außerdem war ich nun nicht mehr an meinen Studienort Hamburg gebunden. Daher entschloss ich mich nach Leverkusen zu ziehen, um einmal einen kompletten Winter in einer Leichathletikhalle zu trainieren. Mit Bernd Knut gab es auch einen Trainer dort, der sehr ähnlich trainierte, wie ich es gewohnt war. Ich dachte mir, ich habe 5 Jahre gebraucht, um mich von 7,60m auf 7,80m zu verbessern, dann schaffe ich es vielleicht auch in den nächsten 5 Jahren einmal, 8 Meter zu springen.2003:
Meine Diplomarbeit hatte ich Anfang des Jahres fertig gestellt. Von nun an galt die volle Aufmerksamkeit dem Weitsprung. In der Hallensaison machte sich das Training unter dem Dach besonders bemerkbar. Ich konnte meine Hallenbestleistung von 7,47m auf 7,90m verbessern und landete während der ganzen Saison keinen einzigen Sprung unter meiner alten Bestmarke. Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften belegte ich den zweiten Platz mit 6 Sprüngen über 7,80m. Das war ein Fundament, mit dem man in der Freiluftsaison sicher einmal über acht Meter springen konnte. Aber es kam natürlich erst einmal anders, als ich es mir vorgestellt habe. Am 23. April zog ich mir einen Muskelfaserriss beim Weitsprungabsprung zu. Das war meine erste ernsthaftere muskuläre Verletzung. Damit glaubte ich zunächst, alle Hoffnungen für diese Saison begraben zu können. Von nun an war ich mehr in der Physiotherapie als auf dem Sportplatz. Sechs Tage später ging es ins Trainingslager nach Lanzarote. Aufgrund der großartigen Betreuung durch unseren Physio Frank Zander verbesserte sich mein Zustand merklich von Tag zu Tag. Am Ende des Trainingslagers bin ich einen 150m-Lauf immerhin schon wieder in 18,5s gelaufen. Spikes habe ich auf Lanzarote nicht einmal angehabt. Wieder zurück, wagte ich es langsam, mich wieder etwas schneller zu bewegen. 4½ Wochen nach der Verletzung bestritt ich meinen ersten Wettkampf. Es kam die neue Freiluftbestleistung von 7,88m heraus. Von nun an wusste ich, dass ich nicht allzu viel durch die Verletzung verloren hatte. 2 Wochen später konnte ich mir meinen Traum erfüllen. 8,06m in Bad Camberg. Ich hatte doch noch das geschafft, woran ich selber lange Zeit schon nicht mehr geglaubt hatte. Es folgten 2 Tage später vier weitere 8m-Sprünge, einer davon auf 8,11m, was die Erfüllung der B-Norm für die Weltmeisterschaften bedeutete. In Langensalza sicherte ich mir mit 8,05m das Europa-Cup-Ticket. Es lief einfach rund. Bei den Deutschen Meisterschaften konnte ich mein weiteres großes Ziel erreichen. Ich war einmal in meinem Leben Deutscher Meister geworden. Für viele talentierte Sportler ist das vielleicht nichts Besonders, aber für mich, gerade mit der Vorgeschichte, war es einfach unglaublich.
Im August sicherte ich mir dann mit 8,03m in Leverkusen das WM-Ticket. Ich hatte nach der Hallensaison gehofft, über die B-Norm die WM-Teilnahme zu schaffen, aber nach der Verletzung hatte ich es eigentlich abgehakt. Doch nun war ich dabei. Die 7,80m in der WM-Quali reichten zwar nicht für das Finale, aber es sollte zumindest eine wertvolle Erfahrung für Olympia im nächsten Jahr sein.2004:
Nun stand also Olympia auf dem Programm. Ich entschloss mich, weiterhin Sportprofi zu bleiben. Ich wollte nichts unversucht lassen. Diese Chance, am größten Sportereignis der Welt teilzunehmen, gibt es wohl nicht wieder. Dementsprechend motiviert stieg ich ins Wintertraining ein. Bereits in der Hallensaison konnte ich meine Hallenbestleistung auf 8,02m verbessern und verpasste bei der Hallen-WM das Finale der besten 8 um lediglich um einen winzigen Zentimeter. Dabei war ich 4 Tage vor dem Wettkampf erst nachnominert worden. Im März und April des Jahres absolvierte ich mit 11 Trainingseinheiten pro Woche den größten Umfang, den ich je trainiert habe. Mit 8,11m und der neuen persönlichen Bestleistung von 8,17m im Mai hatte ich mich in eine gute Ausgangsposition für die Nominierung gebracht. Als ich vom Europacup in Polen Ende Juni zurückkam, bin ich - wie auch viele andere Mannschaftsmitglieder - krank geworden. Danach gab es einen deutlichen Abfall meiner Leistungen. Bis zum Europacup war mein schlechtestes Ergebnis 7,86m. Mein bestes Resultat danach betrug gerade einmal 7,85m. Mit der zweiten Hälfte der Saison konnte ich also alles andere als zufrieden sein. Bei den deutschen Meisterschaften unterlag ich meinem Vereinskollegen Schahriar um 2cm. Trotzdem war ich der einzige deutsche Springer der die B-Norm übertreffen konnte und wurde folglich für Athen nominiert. Dort erzielte ich mit 7,51m mein schwächstes Resultat seit 2002. Nach einem total verunglückten ersten Versuch, bekam ich wie so häufig in dieser Saison Probleme mit Wadenkrämpfen, so dass ich im zweiten und dritten Versuch nicht mehr in der Lage war vernünftig anzulaufen und zu springen. Sehr unbefriedigend, aber immerhin hatte ich es geschafft, mich zu qualifizieren...