"weit" springen
Der Weitsprung ist eine Disziplin, die eigentlich jeder einmal während seiner Schulzeit gemacht hat. Doch wie springt man eigentlich richtig weit? Worauf kommt es bei einem guten Weitsprung an? Und was zeichnet einen guten Weitspringer aus? Um diese Fragen soll es in den nächsten Zeilen gehen.
"Weitspringen ist eigentlich ganz einfach: Man muss nur schnell anlaufen, kräftig abspringen und möglichst spät landen."
Das hat mein Nachwuchsbundestrainer einmal gesagt. Ist im Grunde genommen auch richtig. Weitsprung ist eine von der Technik und vom Bewegungsablauf im Vergleich zu anderen technischen Disziplinen der Leichtathletik recht einfache Bewegung. Daher kommt es vor allem darauf an, die einzelnen Komponenten, die zu einer Leistung beitragen, möglichst weit auszureizen.
Dazu kann man einen Sprung zunächst einmal in folgende Abschnitte unterteilen:
Anlauf - Absprung - Flug - Landung
Den einzelnen Phasen kommt eine unterschiedlich große Bedeutung zu. Während der Anlauf und der Absprung einen sehr großen Einfluss auf die Leistung haben, sind die Flugphase und mit Einschränkungen auch die Landung eher unbedeutend für die Weite des Fluges.
Der Anlauf:
Ziel des Anlaufs ist es, eine möglichst große Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Absprungs zu erreichen. Diese liegt bei einem 8m-Springer bei mindestens 10 m/s. Außerdem sollte ein Anlauf gut reproduzierbar sein, um eine ausreichende Anlaufgenauigkeit zu gewährleisten. Die optimale Länge des Anlaufs hängt stark von der erreichbaren Maximalgeschwindigkeit des Athleten ab. Für einen 8m-Springer beträgt die Anlauflänge typischer Weise zwischen 45 und 50 Meter. Einige Springer starten ihren Anlauf aus dem Stand aus der Schrittstellung, andere bevorzugen einen Beginn mit kurzen Auftaktschritten, bevor der Hauptteil des Anlaufs folgt. Beide Varianten haben Vor- bzw. Nachteile. Bei einem Anlauf aus dem Stand ist die Anlaufgenauigkeit zumeist besser, während bei einem Anlauf mit Auftakt der Springer mit einer größeren Lockerheit in die Beschleunigungsphase kommt.
Unabhängig von der Gestaltung des Beginns kann man den Weitsprunganlauf in drei Phasen unterteilen.1. Beschleunigungsphase über druckvolle Schritte mit großer Schrittlänge und Oberkörpervorlage
2. freies Laufen bis zum Erreichen der Maximalgeschwindigkeit
3. Absprungvorbereitung mit frequenten Schritten bei möglichst geringem Schrittlängenverlustoder kurz: Druck - freier Sprint - Frequenz
Viele Springer haben in ihren Anlauf Zwischenmarken eingebaut, um die Anlaufgenauigkeit überprüfen zu können. Ich habe auch eine Zwischenmarke, auf die ich allerdings im Anlauf nicht achte, sondern nur mein Trainer. Sie liegt in etwa 9 Meter vor dem Balken. Von dort sind es noch 4 Schritte bis zum Balken. Hier beginnt der geübte Springer intuitiv seinen Anlauf zu korrigieren, um das Brett optimal zu treffen, d.h., dass ein genaues Treffen des Balkens noch lange nicht bedeutet, dass die Anlauflänge stimmt, weil die letzten Schritte möglicherweise zu lang oder zu kurz waren. Ein genaues Treffen der Zwischenmarke hat hier eine weitaus größere Bedeutung.
Der Absprung:
Die direkte Vorbereitung des Absprungs beginnt bei allen Sprungdisziplinen schon mit dem vorletzten Schritt. Dieser ist im Normalfall ein wenig länger als die vorherigen Schritte. Dadurch wird eine leichte Absenkung des Körperschwerpunktes erreicht. Manche Springer setzten diesen vorletzten Kontakt leicht nach außen, um bei dieser Verlängerung des Schrittes möglichst wenig Geschwindigkeit zu verlieren. Der letzte Schritt wird nun stark verkürzt. Das hat zur Folge, dass der Körperschwerpunkt wieder nach oben geht und während des Fußaufsatzes beim Absprung bereits eine vertikale Geschwindigkeitskomponente besitzt. Diese wird durch den Absprung und den Einsatz der Schwungelemente (Schwungbein und Arme) weiter vergrößert. Damit verbunden ist ein nicht vermeidbarer Verlust an Horizontalgeschwindigkeit, da die vertikale Energie ja nicht aus dem Nichts entstehen kann. Ziel muss es jedoch sein, eine möglichst große Vertikalgeschwindigkeit bei einem möglichst geringen Horizontalgeschwindigkeitsverlust zu erzeugen. Der resultierende Absprungwinkel liegt typischerweise zwischen 20° und 22°.Der Flug:
Es gibt unterschiedliche Sprungtechniken, wie z.B. die Hangsprungtechnik oder die Laufsprungtechnik mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen (1½-fach, 2½-fach oder 3½-fach). Alle Techniken verfolgen allerdings dasselbe Ziel, nämlich eine effektive Landevorbereitung.
Von dem Moment an, in dem der Absprungfuß den Boden verlässt, ist die Flugbahn des Körperschwerpunktes vorherbestimmt. Physikalisch gesehen kann der Springer in der Luft machen, was er will, es hat keinen Einfluss auf die Flugweite seines Körperschwerpunktes. Allerdings ist der Athlet keine punktförmige Masse wie sein Schwerpunkt.
Während des Absprungs treten Bremskräfte auf, da der Springer wie oben erwähnt Horizontalgeschwindigkeit verliert. Da diese am Boden eingeleitet werden, erfährt der Athlet eine Vorwärtsrotation. Alle Bewegungen in der Luft dienen nun dazu, dieser Rotation entgegenzuwirken, um eine optimale Landehaltung zu gewährleisten. Dazu ist zum einen der Einsatz des Schwungbeins wichtig, zum anderen kann auch durch ein Vorwärtslaufen in der Luft (Laufsprungtechnik), der Rotation entgegengewirkt werden.Die Landung:
Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Die Landung ist bei einem Springer meist von Sprung zu Sprung recht gleich. Bei einem guten Sprung ist sie eher noch ein wenig besser, da der Athlet mehr Zeit in der Luft hat, die Landung effektiv vorzubereiten. Natürlich ist eine ausreichend starke Bauchmuskulatur notwendig, um eine technisch saubere Landung zu realisieren. Oft hängt die Güte der Landung jedoch davon ab, was zuvor im Anlauf, im Absprung und in der Flugphase passiert ist.Passt einmal alles zusammen, dann geht es richtig weit hinaus. Bleibt zu hoffen, dass man vor der Plastellinschicht abgesprungen ist, denn ansonsten werden die Kampfrichter diesen Sprung einfach nicht messen. Jeder, der einmal selbst Weitsprung betrieben hat, weiß, wie dicht ungültig und gültig manchmal beieinander liegt. Und eine Regel wird mir jeder Weitspringer sicherlich bestätigen können: Die Ungültigen sind immer die Weitesten!